Vom ältesten Biergarten Regensburgs bis zur historischen Eisernte
Der Biergarten des Spitalkellers zählt zu den ältesten Biergärten Regensburgs. Seine Geschichte reicht zurück bis in die Jahre 1812 bis 1827, als an den Winzerer Höhen erstmals öffentlich Bier ausgeschenkt wurde. Damit ist der Spitalkeller-Biergarten einer der traditionsreichsten Orte bayerischer Biergartenkultur in der Region.
Eine besondere Tradition waren die Radifrauen, die im Biergarten frisch gerissene Radi (Rettiche) an die Gäste verkauften. Diese Frauen gehörten zum festen Bild eines bayerischen Biergartens und sorgten dafür, dass zum frischen Bier stets der passende Radi gereicht wurde – eine Tradition, die den Spitalkeller über Jahrzehnte prägte.
Harte Arbeit für kühles Bier
Bevor es moderne Kühltechnik gab, war die Eisernte eine der wichtigsten und zugleich härtesten Arbeiten rund um die Bierlagerung. Jeden Winter mussten große Mengen Eis gebrochen, transportiert und in die tiefen Felskeller gebracht werden, um das Bier über die warmen Sommermonate kühl zu halten.
Das Eis wurde aus den Flüssen Regen und Donau gewonnen. Dafür kamen fünf wesentliche Werkzeuge zum Einsatz:
Schwerer Holzhammer zum Vorbrechen der Eisdecke an den vormarkierten Stellen.
Spitzhacke zum gezielten Aufbrechen dicker Eisschichten auf den Flüssen.
Langer Haken zum Herausziehen und Dirigieren der schweren Eisblöcke aus dem Wasser.
Spezielle Eissäge zum präzisen Zuschneiden der Eisblöcke in handhabbare Stücke.
Breite Schaufel zum Verladen und Verteilen des Eises in den Kellerräumen.
Eine besondere Konstruktion am Spitalkeller war der Eisgalgen – ein beeindruckendes Bauwerk, das der Kühlung der Felsenkeller diente. Der Eisgalgen war ein etwa 5 Meter hohes, dreigeschossiges Holzgerüst, über das im Winter Wasser geleitet wurde.
Das Wasser gefror an den Holzlatten zu massiven Eisformationen. Wenn genügend Eis gebildet war, wurde es abgeschlagen und fiel aus einer Höhe von bis zu 16 Metern durch spezielle Schächte direkt in das Tonnengewölbe hinab. Dort sorgte das Eis dafür, dass die Lagertemperatur des Bieres über den gesamten Sommer hinweg konstant niedrig blieb.
Der Eisgalgen war somit eine ingenieurtechnische Meisterleistung seiner Zeit und ermöglichte die Produktion und Lagerung von untergärigem Bier lange vor der Erfindung elektrischer Kühlung.
Die Geschichte der Bierproduktion am Spitalkeller ist eng verknüpft mit dem Wandel von der obergärigen zur untergärigen Brauweise. Obergäriges Bier, gebraut mit Hefen, die bei höheren Temperaturen arbeiten, war über Jahrhunderte der Standard. Doch das untergärige Bier – kühler vergoren und länger gelagert – überzeugte durch seinen reineren, milderen Geschmack.
Für die untergärige Gärung brauchte man jedoch kühle Temperaturen, die nur in tiefen Felsenkellern erreicht werden konnten. Genau hier kam der Spitalkeller mit seinem 73 Meter langen Tonnengewölbe ins Spiel. Die massive Felsbedeckung und das eingelagerte Eis hielten die Temperatur konstant niedrig.
Eine besondere Rolle spielte dabei das Märzenbier: Es wurde im März gebraut – dem letzten Monat, in dem nach alter Brauordnung vor dem Sommer noch gebraut werden durfte – und dann über den gesamten Sommer im Keller gelagert. So entstand ein kräftiges, haltbares Bier, das im Biergarten ausgeschenkt wurde.
„Mit Eis stopf' Deine Keller voll, wenn dir dein Bier gelingen soll!“
Dieser alte Brauspruch verdeutlicht, wie entscheidend die natürliche Kühlung durch Eis für die Qualität des Bieres war. Erst mit der Einführung der Kühlanlage im Jahr 1927 endete diese jahrhundertealte Tradition am Spitalkeller.
Bei einer Kellerführung durch das Tonnengewölbe erfahren Sie noch mehr über die faszinierende Geschichte des Spitalkellers.